Happy Birthday, good old 66

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Route 66 - Mural in Pontiac (c) Illinois Office of Tourism

Die legendäre Route 66 wird 100 Jahre alt, die ersten Kilometer führen durch Illinois.

Mitten in Chicago, auf dem East Jackson Boulevard steht ein kleines blaues Schild. Im Gewusel der „Windy City“ geht es fast unter. „Historic Route 66, Begin“ steht dort in weißen Lettern. Hier also beginnt der Mythos, ab hier werden die Meilen der berühmten Route 66 gezählt. 2.448 sind es bis zu ihrem Ende in Santa Monica, Kalifornien. 3.940 Kilometer durch acht Bundesstaaten. Vor genau 100 Jahren, am 11. November 1926 wurde die legendärste aller Straßen eingeweiht. Ein Jahrhundert US-amerikanischer Geschichte. 301 Meilen, gut 484 Kilometer führt die Route 66 durch Illinois, den Staat, in dem die Strecke beginnt. Durch kleine Städte, vorbei an Roadside-Attraktionen und Diners, in denen die Uhr irgendwann in den Fünfzigern stehen geblieben scheint.

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Route 66 Start Point (c) Courtesy of the Illinois Office of Tourism

Chicago: Anfang und Aufbruch
Chicago hat die Route 66, aber die Route 66 hat auch Chicago. Wer sich einen Tag Zeit nimmt, bevor er die Stadt hinter sich lässt, sollte ihn gut nutzen. Die Architekturbootstour auf dem Chicago River etwa eröffnet Perspektiven auf zahlreiche geschichtsträchtige Gebäude. Das Chicago History Museum dokumentiert den Highway mit eigenen Exponaten und erklärt dabei, warum diese Straße in den 1930er Jahren Hunderttausende Menschen in Bewegung setzte, die dem Dust Bowl-Elend der Prärie entkommen wollten. Pflichtprogramm ist ein Besuch in der Billy Goat Tavern in einem Untergeschoss auf der Michigan Avenue, Kultkneipe seit 1934 und keine zwei Gehminuten vom Startpunkt der Route 66 entfernt. Hier gibt es Zeitungsausschnitte an den Wänden und ambitionslose Hamburger. Bevor es endlich Richtung Süden geht lohnt noch ein Fotostopp vor dem Cloud Gate im Millennium Park, der verspiegelten Riesenbohne.

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Brooks Catsup Bottle Water Tower (c) Courtesy of the Illinois Office of Tourism

Joliet und Pontiac: Skurrilitäten an der Straße
Schon nach wenigen Kilometern sieht man nur noch Felder entlang der Straße. Erst rund eine Stunde später taucht Joliet am Horizont auf. Das Städtchen ist bekannt für sein Gefängnis, das Old Joliet Prison. Der burgartige Komplex aus lokalem Kalkstein verbirgt über zwanzig Gebäude hinter seinen Mauern. Geführte Touren finden an ausgewählten Tagen statt. Film- und Serienkenner merken schnell: Hier wurde „Blues Brothers“ und „Prison Break“ gedreht. Wenige Kilometer weiter steht am Straßenrand der Gemini Giant – neun Meter hoch, Raumfahrerhelm, grüner Anzug, Rakete in der Hand. Die Figur war jahrzehntelang das Wahrzeichen eines Drive-in-Restaurants und wurde 2024 aufwendig restauriert.

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Pontiac, IL/Murals on back of buildings (c) Illinois Office of Tourism

Pontiac, die nächste Kleinstadt auf der Route 66, hat knapp 11.000 Einwohnern und überrascht mit mehr Wandgemälden als die meisten Großstädte. Das bekannteste ist das Route-66-Schild, das sich über eine ganze Hausfassade zieht. In einem ehemaligen Feuerwehrhaus residiert das Illinois Route 66 Hall of Fame & Museum: Nummernschilder, Karten, Werbeschilder, Fotos, alles, was auch nur irgendwie zur Geschichte dieser Straße gehört. Wer Zeit hat, geht nebenan ins Pontiac-Oakland Automobile Museum, es bietet die größte Sammlung beider Marken weltweit.

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Route 66 Motorheads Bar, Grill, & Museum in Springfield, Illinois. Photo by Ryan Donnell

Springfield: Hauptstadt und Lincolns Geburtsort
Springfield, die Hauptstadt von Illinois, lebt von einem Mann, der sie 1861 verließ und nie zurückkam: Abraham Lincoln. Sein Grab liegt auf dem Oak Ridge Cemetery, einem weitläufigen Park am Stadtrand. An dessen Eingang reiben seit Jahrzehnten die Beuscher die Nase der großen Lincoln-Büste blank, denn der Volksglaube besagt, es bringe Glück auf der Reise entlang der Mother Road. Nicht verpassen sollte man das Abraham Lincoln Presidential Library & Museum. Gestaltet wurde es von BRC Imagination Arts, die sonst Themenparks bauen und hier mit Hologrammen, Theaterinszenierungen und lebensgroßen Dioramen arbeiten. Für den Abend eignet sich das Motorheads Bar & Grill, ein Restaurant, Roadside-Tempel und Erinnerungsraum zugleich. An den Wänden hängt ein ganzes Jahrhundert Straßengeschichte und über der Eingangstür das weltgrößte Route-66-Schild.

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Pink Elephant Antique Mall an der Route 66 in Livingston, Illinois. Photo by Ryan Donnell

Bis zum Mississippi
Südlich von Springfield ändert die Route ihren Charakter. In Livingston lockt die Pink Elephant Antique Mall, ein ausladender Trödelladen direkt an der Route. Kurz vor Collinsville ragt der Brooks Catsup Bottle Water Tower in den Himmel: eine 53 Meter hohe Ketchupflasche, die seit 2002 im National Register of Historic Places registriert ist. Das einzige UNESCO-Weltkulturerbe in Illinois steht in Collinsville, die Cahokia Mounds. Vor über 1.000 Jahren lebten hier bis zu 20.000 Menschen in der größten präkolumbianischen Siedlung nördlich von Mexiko. Ganz am Ende der 300 Meilen, kurz vor der Grenze zu Missouri, wartet dann die alte Chain of Rocks Bridge. Bis 1966 war sie Teil der Route 66, heute ist sie nur noch für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Der Blick auf den Mississippi von ist der letzte große Moment dieser Fahrt durch Illinois. Am besten genießt man ihn bei einem Glas Wein in der Aerie‘s Riverview Winery in Grafton, hoch über dem Fluss.

Praktische Infos
Den Illinois-Abschnitt der Route 66 von Chicago bis zur Grenze nach Missouri kann man in fünf Tagen mit dem Auto abfahren. Die beste Reisezeit ist Mai bis Oktober. Alle Infos zu Stopps, Unterkünften und Events im Jubiläumsjahr gibt es auf enjoyillinois.com/route-66.

100 Jahre Route 66- die besten Events zum Centennial

  • Main Street of America, Weltpremiere (3.–10. September, Chicago): John Pagets Dokumentarfilm über die Route 66, danach Screenings in weiteren Städten Illinois‘.
  • Bob Waldmire Art Exhibit (Juni–Dezember, Springfield): Der Künstler und Route-66-Ikone Bob Waldmire verbrachte Jahrzehnte nomadisch auf der Strecke. Die Pharmacy Gallery zeigt sein Werk.
  • Exploring Route 66 im Kidzeum (Juli–Dezember, Springfield): Neue Dauerausstellung im Kidzeum of Health & Science mit interaktiven Stationen zur Geschichte der Mother Road.
  • International Route 66 Mother Road Festival (25.–27. September, Springfield): Das traditionsreiche Oldtimertreffen feiert 2026 gleichzeitig seinen 25. Geburtstag – mit eigenem Centennial-Programm.
  • Last 100 Miles Festival (10.–11. Oktober, Südwest-Illinois): Mehrere Gemeinden entlang der letzten hundert Meilen der Route feiern gemeinsam.
  • Statewide Route 66 Epic Festival (10.–11. November, Illinois): Abschlussveranstaltung der Illinois Route 66 Scenic Byway Association – exakt 100 Jahre nach der Einweihung der Strecke.