(Text: Michael Raschke) (Fotos: Andreas Luehmann)
Seit wenigen Jahren setzt das Hotel „Das Altmühltal“ einen markanten Akzent im Stadtbild von Eichstätt – bewusst auch durch Kontraste.
Eichstätt ist eine Stadt der eher leisen Töne. Barocke Fassaden, der gemächlich fließende Altmühlarm, Studierende auf dem Weg zur Vorlesung – als kleinste Universitätsstadt Deutschlands wirkt der Ort eher kontemplativ als mondän. Umso bemerkenswerter ist das Hotel „Das Altmühltal“, das seit wenigen Jahren einen Akzent im Stadtbild setzt. Direkt am Franz-Xaver-Platz gelegen, dort, wo Altstadt und Fluss aufeinandertreffen, beansprucht es eine Rolle, die Eichstätt lange fehlte: die eines zeitgemäßen Stadthotels mit Anspruch.

Gegensatz zur historisch geprägten Hotellandschaft
Entstanden ist das Gebäude 2020 als Teil der IBB Hotel Collection. Schon damals war klar, dass man hier kein traditionelles Wirtshaus errichten wollte, sondern ein urbanes Haus, das Geschäftsreisende, Tagungsgäste und anspruchsvolle Individualtouristen gleichermaßen anspricht. Architektur und Innenausstattung greifen regionale Motive auf – Jura-Kalkstein, Naturfarben, dezente Reliefs –, ohne in folkloristische Gemütlichkeit abzurutschen. Ein bewusster Gegensatz zur sonst sehr historisch geprägten Hotellandschaft der Stadt.
Dieser Anspruch bekam 2025 eine neue Richtung: Die IBB Hotel Collection zog sich zurück, die Eichstätter Firmengruppe Martin Meier, die in den Bereichen Bauen, Wohnen, Baustoffe und Handwerk tätig ist, übernahm den Betrieb als Eigentümer selbst. Aus dem „IBB Hotel Altmühltal-Eichstätt“ wurde schlicht „Das Altmühltal“ – ein Name, der weniger Marke als Haltung sein will. Regionaler, unabhängiger, näher an Stadt und Umgebung. Ein nachvollziehbarer Schritt, der allerdings auch Erwartungen weckt: Wer den lokalen Bezug so stark betont, muss ihn im Alltag einlösen.

Das „Staderer“ und „Der dicke Franz“
Das gelingt in Teilen, vor allem gastronomisch. Das Restaurant „Staderer“ setzt auf regionale Produkte und eine moderne, handwerklich saubere Küche, die nicht nur Hotelgäste ansprechen will. Die Bistrobar „Der Dicke Franz“ versucht, ein niederschwelliger Treffpunkt zu sein – ein wichtiger Baustein in einer Stadt, in der neue gastronomische Impulse eher selten entstehen. Ob sich das Haus dauerhaft als sozialer Ort für Eichstätt etablieren kann, bleibt abzuwarten. Der Wille ist spürbar.

Mit rund 90 Zimmern, vom funktionalen Doppelzimmer bis zur großzügigen Suite mit Terrasse, bewegt sich das Hotel auf solidem Vier-Sterne-Niveau. Klimaanlage, moderne Bäder, gutes WLAN und zeitgemäßes Design sind Standard.


Hinzu kommen Tagungsräume für bis zu 100 Personen – ein Angebot, das Eichstätt als Wissenschafts- und Konferenzstandort durchaus stärkt. Die Nähe zur Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist dabei kein Nebenaspekt, sondern kann man als Teil der strategischen Positionierung betrachten.
Lage am Fluss und Radwege vor der Tür
Die Zielgruppen sind klar umrissen: Geschäftsreisende aus der Region Ingolstadt, Tagungsgäste, Kultur- und Naturtouristen, Radfahrer im Altmühltal. Gerade Letztere profitieren von der Lage direkt am Fluss und den Radwegen vor der Tür. Weniger eindeutig ist hingegen die emotionale Verankerung des Hauses. „Das Altmühltal“ wirkt professionell, modern und durchdacht – in einer Stadt, die von Nähe und Überschaubarkeit lebt, manchmal aber auch ein wenig distanziert.
Eichstätt selbst liefert dafür die passende Bühne: eine Stadt zwischen akademischem Alltag und touristischer Idylle, zwischen barocker Kulisse und studentischem Leben. Für ein Hotel wie „Das Altmühltal“ ist das Chance und Herausforderung zugleich. Gelingt es, diese beiden Welten dauerhaft zu verbinden, könnte das Haus mehr werden als nur eine gute Adresse am Fluss – nämlich ein selbstverständlicher Teil des urbanen Lebens in einer Stadt, die sich langsam, aber spürbar verändert.
