(Text: Susanne Mendack) (Fotos: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Susanne Mendack)
Medina-Magie und modernes Großstadtleben – Marrakesch ist eine Stadt zwischen Jahrhunderten und Gegenwart.
Marrakesch hat sich zum echten Trend-Hotspot entwickelt. Es ist eine Stadt der Gegensätze, die nicht kollidieren, sondern sich gegenseitig befeuern. Zwischen jahrhundertealter Tradition und kosmopolitischer Gegenwart pulsiert eine Energie, die Reisende sofort in ihren Bann zieht. Marrakesch ist laut und leise zugleich, chaotisch und kultiviert, sinnlich und überraschend modern.


In der Medina schlägt das historische Herz der Stadt. Hinter den rosafarbenen Mauern entfaltet sich ein Labyrinth aus Gassen, Souks und Innenhöfen. Händler preisen Gewürze, Lederwaren und Lampen an, Mopeds schlängeln sich durch enge Wege, der Duft von Minze, Orangenblüten und Rauch liegt in der Luft. Orte wie der Djemaa el Fna sind kein Freilichtmuseum, sondern lebendige Bühne: Gaukler, Geschichtenerzähler und Musiker performen jeden Abend ein neues Schauspiel. Versteckt hinter unscheinbaren Türen liegen Riads, die mit stillen Innenhöfen, Mosaiken und Dachterrassen Rückzugsorte mitten im Trubel bieten.



Nur wenige Minuten entfernt zeigt sich Marrakesch von einer ganz anderen Seite. In der Neustadt Guéliz prägen breite Boulevards, Galerien, Concept Stores und Cafés das Bild. Hier lebt eine junge, kreative Szene – internationale Unternehmer, Künstler und Designer. Moderne Restaurants interpretieren die marokkanische Küche neu, Rooftop-Bars verbinden DJ-Sounds mit Blick auf das Atlasgebirge, und Boutique-Hotels setzen auf zeitgenössisches Design statt orientalischer Klischees.
Was Marrakesch heute ausmacht, ist seine Wandelbarkeit. Die Stadt ruht nicht in ihrer Geschichte, sie benutzt sie als Fundament. Zwischen Medina und Moderne, Tradition und Trend entsteht eine Dynamik, die Marrakesch unverwechselbar macht. Wer hierher reist, erlebt keine Kulisse, sondern eine Stadt, die sich täglich neu erfindet – lebendig, widersprüchlich und voller Geschichten.
Weitere Informationen:
www.visitmarrakech.com
www.visitmorocco.com/de
Hoteltipp: Riad Les Trois Palmiers
Das Riad Les Trois Palmiers im Viertel El Bacha ist ein leiser Gegenentwurf zum Marrakesch-Trubel: eine historische Stadtresidenz in der Medina, wo Antiquitätenläden, Museen und kleine Gassen den Ton angeben. Von außen wirkt alles zurückhaltend – doch hinter der Tür öffnet sich ein Haus, das mit Patios, Wasser und Terrassen arbeitet wie mit einem Versprechen: Hier darf man durchatmen. Zwei Innenhöfe strukturieren das Riad, dazu kommen kleine Poolbereiche, die das Licht spiegeln und die Hitze aus dem Tag nehmen.


Die Zimmer sind bewusst individuell gestaltet: kein Einheitslook, sondern marokkanische Details, die Wärme erzeugen – Mosaike hier, handwerkliche Akzente dort, gemauerte Duschen. Viele Zimmer blicken in den Patio, was abends eine ruhige, intime Stimmung schafft.
Auf der Dachterrasse kann man im Sommer frühstücken und einen marrokanischen Minztee trinken. Oder einfach nur relaxen.

Kulinarik aus Tausendundeiner Nacht
Wer in Marrakesch essen geht, sucht Atmosphäre, Geschichte und ein Gefühl für die marokkanische Lebensart. Das Restaurant Dar Essalam, unweit der Medina gelegen, erfüllt all diese Erwartungen – und inszeniert sie mit einer fast filmreifen Dramaturgie. Nicht umsonst diente das traditionsreiche Haus bereits als Kulisse für internationale Filmproduk-tionen wie „Der Mann, der zuviel wusste“ mit James Stewart und Doris Day.
Schon der Eintritt gleicht einer Zeitreise. Hinter schweren Holztüren öffnet sich ein verwinkeltes Riad mit reich verzierten Zellij-Fliesen, geschnitzten Decken aus Zedernholz und gedämpftem Kerzen-licht. Es gibt mehrere Salons, jeder mit eigener Stimmung, jeder ein kleines Kunstwerk.
Kulinarisch versteht sich Dar Essalam als Bewahrer der klassischen marokkanischen Küche. Auf der Karte finden sich traditionelle Gerichte wie Pastilla, Tajine in zahlreichen Variationen und langsam geschmorte Lammgerichte, zubereitet nach überlieferten Rezepten. Gewürze werden sorgfältig dosiert, Aromen bleiben ausgewogen, nie aufdringlich. Besonders bekannt ist das Haus für seine Pastilla – knusprig, fein gewürzt und elegant serviert.
Dar Essalam ist kein Ort für Eile, sondern für ausgedehnte Abende. Zwischen den Gängen treten Musiker und Tänzerinnen auf und verstärken das Gefühl, Gast in einem privaten Palais zu sein. Der Service agiert zurückhaltend und aufmerksam zugleich, mit jener Selbstverständlichkeit, die nur Häuser mit langer Tradition auszeichnet.

Magie und Kontemplation
Der Jardin Majorelle in Marrakesch vereint exotische Pflanzen, kräftige Farben und architektonische Klarheit zu einem der faszinierendsten Gärten Nordafrikas.
Wer Marrakesch besucht, begegnet unweigerlich dem Lärm der Souks, dem Duft von Gewürzen und dem geschäftigen Treiben der Medina. Umso überraschender ist der Jardin Majorelle: eine stille, fast meditative Oase, verborgen hinter schlichten Mauern im Stadtteil Guéliz. Kaum tritt man ein, scheint der Rhythmus der Stadt zu verstummen. Stattdessen bestimmen Vogelgesang, Wasserplätschern, ein Kakteengarten und intensive Farben die Wahrnehmung.


Der Garten wurde ab 1923 vom französischen Maler Jacques Majorelle angelegt, der hier Natur und Kunst zu einem Gesamtkunstwerk verband. Inspiriert von islamischer Gartenkunst, aber auch von seiner Leidenschaft für kräftige Farben, schuf er eine streng komponierte Anlage mit exotischen Pflanzen aus fünf Kontinenten. Palmen, Kakteen, Bougainvilleen, Bambus und Seerosen wechseln sich ab, durchzogen von schmalen Wegen und Wasser-becken. Prägendstes Element ist das legendäre „Majorelle-Blau“, ein leuchtender Lapislazuli-Ton, der Mauern, Brunnen und Pavillons umhüllt und dem Garten seine unverwechselbare Identität verleiht.



Nach Majorelles Tod geriet der Garten in Verges-senheit, bis Yves Saint Laurent und Pierre Bergé ihn 1980 entdeckten und vor dem Abriss bewahrten. Für den Couturier wurde der Jardin Majorelle zu einem täglichen Rückzugsort. Hier fand er Ruhe, Inspiration und einen Gegenpol zur hektischen Modewelt. Viele seiner späteren Kollektionen tragen die Farben Marrakeschs in sich – Ocker, Grün, Pink und vor allem Blau. „Wenn ich hier bin, ordnen sich meine Gedanken“, soll Saint Laurent gesagt haben.
Heute ist der Jardin Majorelle einer der meistbesuchten Orte der Stadt, doch seine Wirkung bleibt ungebrochen. Trotz der Besucherströme bewahrt der Garten eine besondere Intimität. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt stille Ecken, schattige Bänke und immer neue Perspektiven. Im angeschlossenen Berbermuseum und dem Yves-Saint-Laurent-Museum wird die kulturelle und künstlerische Dimension dieses Ortes weiter vertieft.



Der Jardin Majorelle ist ein Ort der Kontemplation, ein Vermächtnis kreativer Visionen und ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Kunst, Natur und Persönlichkeit zu zeitloser Schönheit verschmelzen.
