Historisch aufgefrischt

Neuer Glanz: Das Taschenbergpalais wurde aufwendig renoviert. | Foto: Kempinski

(Text: Michael Raschke, Fotos: Taschenbergpalais)

Das Dresdener Taschenbergpalais war nach dem Mauerfall und seinem Wiederaufbau das erste Fünfsternehotel Sachsens. Nach Monaten des Umbaus hat es neu eröffnet – und seine geschichtlichen wie kunstsinnigen Bezüge eindrucksvoll erhalten.

Lobby: Das Lichtkonzept ahmt den Lauf der Elbe nach. | Foto: Kempinski

Historie atmen und erleben zu können, ohne auf die Annehmlichkeiten einer modernen Hotellerie verzichten zu müssen: Im aufgefrischten Dresdener Fünfsternehotel Taschenbergpalais, unvergleichlich gelegen zwischen Residenzschloss, Postplatz und Zwinger, ist dieser Bezug nach der Wiedereröffnung des Hauses im besten Sinne gestaltet.

Ruhepool: Die Lounge der neuen Patisserie Amalie. | Foto: Kempinski

Denn nach der gut ein Jahr dauernden, umfassenden Renovierung steht fest, dass das Kempinski-Haus seinen Charme als auch Ort der lokalen und regionalen Geschichte Sachsens nicht verloren hat. Im Barock erbaut, im Rokoko und Klassizismus immer wieder umgestaltet und erweitert, sind Bezüge zu allen drei Epochen erhalten geblieben. Die 180 Zimmer und 31 Suiten mit teils eigens entwickelten Kunstkonzepten hat Designer Markus Hilzinger, der schon in manchem Grandhotel Hand anlegte, im Wesentlichen in drei Farbwelten getaucht: Bei Stoffen und Wandverkleidungen dominieren entweder Historisches Blau, Salbeigrün oder Sandstein-Beige. Das luxuriöse Ambiente ist hier dezent, mondän und historisch elegant gestaltet.

Junior-Suite: Drei verschiedene Farbwelten für die Zimmer. | Foto: Kempinski

In der neu konzipierten Lobby mit der angeschlossenen neuen Patisserie Amalie beeindrucken zwei Lounge-Bereiche; an den Wänden Textiltapeten, auf dem Boden Sandsteinplatten aus Südafrika. Oben drüber ist das üppige Lichtkonzept dem gebogenen Lauf der Elbe durch die Stadt nachempfunden. Ein Hingucker ist nach wie vor das barocke, doppelläufige Treppenhaus, einst von Zwingerbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann konstruiert. Bei Empfängen wird es, wenn gewünscht, von klassischem Kerzenlicht illuminiert.

Der Geist der Mätresse: Anna Constantia Gräfin von Cosel in Pop-Art hinter dem Counter. | Foto: Kempinski

Das Erbe August des Starken
Über allem schwebt noch der Geist der Anna Constantia Gräfin von Cosel, mal als Gemälde in der Lobby, mal als Pop-Art-Bild hinter der Rezeption, in der Royal Suite, als Teil der Wandverkleidung, als ikonografisch auf Leinen gemaltes und mit Blattgold veredeltes Porträt im Art-déco-Stil.

Warmer Ton: Sandstein-Beige dominiert auch in Teilen der Lobby. | Foto: Kempinski

Für seine eigensinnige Mätresse ließ August der Starke, Sachsens Kurfürst und König von Polen, das Stadtpalais auf dem Dresdener Taschenberg Anfang des 18. Jahrhunderts erbauen. Mehrfach wurde es von verschiedenen Baumeistern ergänzt und ausgebaut, am Ende des Zweiten Weltkriegs dann fast vollständig zerstört. Das Palais blieb in DDR-Zeiten als unübersehbare Ruine im Stadtbild erhalten, bevor es nach Originalplänen neu aufgebaut wurde. 1995 war es dann das erste Fünfsternehotel des Freistaats.
August der Starke hatte Kunstsinn, sammelte einmalige Schätze und ersann die erste europäische Porzellanmanufaktur. Den augenscheinlichsten Kunstbezug des Taschenbergpalais bilden heute die Walentowski-Galerien, der Ausstellungsbereich grenzt an die Lobby. Platz für Kunstwerke bietet auch das seit 2019 im Palais beheimatete Kastenmeiers: An den Lehmwänden des Fisch- und Meeresfrüchterestaurants waren zur Eröffnung unter anderem Werke des Pop-Art-Künstlers Michel Friess zu sehen.

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