(Text: Michael Raschke | Fotos: Falkensteiner Hotels & Residences)
Zwei Hotels, zwei Architekten und überraschend unterschiedliche Erlebnisse: Bozen und der Kronplatz zeigen, wie vielfältig sich Südtirol zwischen urbanem Lebensgefühl, großer Kulinarik und alpiner Kultur präsentiert.
Gerade oben angekommen, beginnt die Glocke zu läuten. Ihr tiefer Klang breitet sich über das Hochplateau des Kronplatzes aus, während ein paar Meter weiter Gleitschirmflieger ihre Schirme ausbreiten und sich auf den Flug über die Bergwelt vorbereiten. Ringsum reicht der Blick von den Dolomiten bis zum Alpenhauptkamm. Die Friedensglocke Concordia 2000 läutet täglich um zwölf Uhr. Ein beeindruckender Moment auf 2.275 Metern Höhe, der in Erinnerung bleibt.
Es ist einer von vielen Perspektivwechseln auf einer Kurzreise durch Südtirol, die in Bozen beginnt und über das Rittner Hochplateau bis ins Pustertal führt. Ausgangspunkte sind zwei Hotels der Falkensteiner-Gruppe, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das noch neue Falkensteiner Hotel Bozen WaltherPark mitten in der Stadt und das Falkensteiner Hotel Kronplatz am Fuß eines der bekanntesten Südtiroler Berge. Beide verbinden anspruchsvolle Architektur mit guter Gastronomie. Vor allem aber laden sie dazu ein, ihre Umgebung zu entdecken.
Bozen zeigt seine urbane Seite
In Bozen hat sich rund um den Waltherpark einiges verändert. Das neue Stadtquartier mit Wohnungen, Geschäften, Büros und Gastronomie trägt die Handschrift des britischen Architekten David Chipperfield. Das im Juli 2025 eröffnete Falkensteiner Hotel mit seinen 114 Zimmern und Suiten gehört dazu. Die Architektur greift die Farbigkeit der Stadt auf, großzügige Glasflächen sorgen für Offenheit. Innen hat Designerin Aggi Bruch eine moderne, angenehm zurückhaltende Atmosphäre geschaffen.

Ein Höhepunkt des Hauses ist eindeutig die Mochi Sushi.Grill.Rooftop Bar im obersten sechsten Stock. Dort hat die Wiener Gastronomiemarke Mochi ihre erste Südtiroler Adresse eröffnet. Sushi, japanische Grillgerichte vom Robata und die Tradition des gemeinsamen Essens bestimmen das Konzept. Die Speisen kommen zum Teilen auf den Tisch, man probiert hier, reicht dort etwas weiter und entdeckt immer neue Kombinationen. Der 360-Grad-Panoramablick fällt auf die Dächer Bozens und die umliegenden Berge. Ein Restaurant, das auch unabhängig vom Hotel einen Besuch lohnt.


Überhaupt ist Bozen kulinarisch immer wieder eine Entdeckung. Das von außen eher unscheinbare Restaurant Am Gleis, das sich bei einem Ausflug auf den Hausberg Ritten anbietet, überzeugt ebenso wie das traditionsreiche Vögele in der Altstadt. Gerade das Vögele steht für jene gewachsene Gasthauskultur, die hier ebenso selbstverständlich zum Lebensgefühl gehört wie die moderne internationale Küche.


Auf den Spuren der Sommerfrischler
Nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt beginnt ein weiteres Erlebnis: die Fahrt mit der Rittner Seilbahn hinauf nach Oberbozen. Während die Stadt langsam kleiner wird, öffnet sich der Blick auf das Hochplateau, das seit Jahrhunderten als Sommerfrische der wohlhabenden Bozner Gesellschaft dient. Kaufleute und Adelsfamilien ließen sich hier ihre Sommerresidenzen errichten. Einige dieser Häuser sind bis heute in Familienbesitz.
Von Oberbozen führt die Freud-Promenade durch Wälder und über weite Wiesen in Richtung Klobenstein. Immer wieder geben die Bäume den Blick auf die Dolomiten frei. Es ist ein Weg, der weniger durch spektakuläre Höhepunkte als durch seine Ruhe und die wechselnden Landschaftsbilder beeindruckt. Namensgeber ist Sigmund Freud, der 1911 mit seiner Familie den Sommerurlaub auf dem Ritten verbrachte. Die nach ihm benannte Promenade erinnert seit 2006 an diesen Aufenthalt. Zurück geht es mit der historischen Rittner Bahn, die seit 1907 zur Geschichte des Hochplateaus gehört.

Architektur im Rhythmus der Jahreszeiten
Die Reise führt weiter ins Pustertal, nach Reischach bei Bruneck. Hier steht mit dem Falkensteiner Hotel Kronplatz ein Haus, das sich ganz der alpinen Umgebung verschrieben hat. Star-Architekt Matteo Thun hat das Hotel in vier Gebäudeteile gegliedert, deren Farbgestaltung sich an den Jahreszeiten orientiert. Holz, Glas, natürliche Materialien und klare Formen prägen das Erscheinungsbild. Trotz seiner Größe mit 97 Zimmern und Suiten wirkt das Ensemble angenehm gegliedert.


Besonders eindrucksvoll ist der zentrale Bereich mit der Bar „On The Rocks“ und dem markanten Baum unter der großzügigen Dachkonstruktion. Das Hotel versteht sich als Ausgangspunkt für Aktivitäten in den Bergen und gehört inzwischen zu den Leading Hotels of the World. Dazu passt ein Spa mit Sportbecken, Hammam, Dachpool und einer zwölf Meter hohen Indoor-Kletterwand.


Mit „7 Summits“ hat das Haus zudem ein Konzept entwickelt, das sieben bekannte Gipfel der Dolomiten zum Leitmotiv macht. Marmolada, Rosengarten, Drei Zinnen, Peitlerkofel, Kronplatz, Geislergruppe und Schlern stehen jeweils für unterschiedliche Charaktere, die sich in der Küche, an der Bar, im Spa und bei ausgewählten Aktivitäten wiederfinden. Im Seven Summits Restaurant übersetzt Küchenchef Federico Carsili die Idee in saisonale Gerichte. Der Ansatz verbindet regionale Zutaten und Südtiroler Küchentraditionen mit einer zeitgemäßen Interpretation alpiner Kulinarik.

Kunst und Kulinarik auf dem Berg
Wie eng sich Natur, Kunst und Genuss am Kronplatz verbinden, zeigt eine Gondelfahrt hinauf zum Gipfel. Dort, wo die Friedensglocke läutet und Gleitschirmflieger in die Bergwelt starten, wartet auch ein bemerkenswertes kulturelles Angebot. Das LUMEN Museum widmet sich der Bergfotografie. Es zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Alpen im Laufe der Zeit betrachtet und ins Bild gesetzt wurden. Historische Aufnahmen stehen neben zeitgenössischen Arbeiten. Im selben Gebäude befindet sich das AlpiNN von Norbert Niederkofler. Der Südtiroler Spitzenkoch hat mit seiner Philosophie „Cook the Mountain“ die alpine Küche weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Hier auf dem Kronplatz trifft seine kulinarische Idee auf ein Panorama, das allein schon einen Besuch rechtfertigt. Nur wenige Schritte entfernt liegt außerdem das von Zaha Hadid entworfene Messner Mountain Museum Corones, ein weiterer bemerkenswerter Ort für Architektur- und Kulturinteressierte.
Am Ende dieser Reise bleibt vor allem die Erkenntnis, wie viele unterschiedliche Gesichter Südtirol besitzt. Die beiden Falkensteiner-Häuser bieten dafür sehr unterschiedliche Ausgangspunkte. Das eine führt mitten hinein ins Stadtleben, das andere unmittelbar in die Bergwelt. Gerade darin liegt der besondere Reiz: Südtirol lässt sich aus immer neuen Perspektiven entdecken.