Cezanne und die Moderne

(Text: Simone Huhn) (Fotos: Fondation Beyeler) Mit der Ausstellung Cezanne widmet die Fondation Beyeler erstmals in ihrer Geschichte eine umfassende Einzelschau dem französischen Maler Paul Cézanne, einem der einflussreichsten Wegbereiter der Moderne. Mit rund 80 Werken konzentriert sich die Ausstellung auf die letzte und bedeutendste Phase seines Schaffens und zeigt den Maler in Hochform: Zu sehen sind geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsberg, den Montagne Sainte-Victoire, den der Künstler in immer neuen Ansichten darstellte. Er gestaltete revolutionäre Bilder, die Generationen von Künstlern und Künstlerinnen bis heute inspirieren. Die Ausstellung macht anschaulich, wie Cezanne die Malerei veränderte und er so, wie Pablo Picasso sagte, zum «Vater von uns allen» wurde.

Cézannes Malerei bricht bewusst mit klassischen Konventionen wie Zentralperspektive und anatomischer Genauigkeit. Stattdessen entstehen Bilder aus farbigen Pinselstrichen, in denen Volumen, Raum und Struktur allein durch Farbe erzeugt werden. Die Ausstellung macht diesen Prozess anschaulich und zeigt einen Künstler, der weniger die Natur selbst als vielmehr das Sehen und Malen der Natur erforschte.

Ein besonderer Fokus liegt auf den bewusst offen belassenen Werken des Spätwerks, in denen Teile der Leinwand unbemalt bleiben. Diese scheinbare Unvollständigkeit öffnet den Blick auf den Entstehungsprozess und lädt die Betrachtenden ein, sich aktiv mit dem Bild auseinanderzusetzen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Stillleben mit Früchten und Totenköpfen, in denen Cézanne Fragen von Ordnung, Vergänglichkeit und Dauer verhandelt.

Die Präsentation in der Fondation Beyeler zeigt Cézanne nicht nur als Schlüsselfigur zwischen Impressionismus und Abstraktion, sondern als Künstler, dessen Suche nach Struktur, Klarheit und innerer Ordnung die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte.

Cezanne
Bis 25. Mai 2026
Fondation Beyeler, Riehen/Basel
www.fondationbeyeler.ch

ART'N'TRAVEL

Rezension Cezannes Ausstellungskatalog

Cezannes Vermächtnis
Zur ersten Einzelausstellung von Paul Cézanne in der Fondation Beyeler erscheint ein Ausstellungskatalog, der das Spätwerk des Künstlers fundiert und vielschichtig erschließt. Neben einem einführenden Text des Kurators und Herausgebers Ulf Küster enthält er auf 200 Seiten Beiträge von Gottfried Boehm, Louise Bannwarth und Fabienne Ruppen sowie eine von Sarah Weishaupt gezeichnete Biografie. Der Katalog wurde von Melanie Mues gestaltet und erscheint auf Deutsch und Englisch im Hatje Cantz Verlag.

Präsentiert werden rund 80 sorgfältig ausgewählte Gemälde und Aquarelle aus Beständen der Fondation Beyeler sowie internationalen Sammlungen. Großformatige Abbildungen machen Cezannes besonderen Umgang mit Farbe und Form im Detail nachvollziehbar.

Cezanne
Hatje Cantz Verlag, ca. 60 Euro, 200 Seiten
www.Hatjecantz.de